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Trauer

 

Nachruf

Am 30.4.06 ist Dr. phil. Dipl.-Psych. Thomas Busch nach langer Krankheit gestorben. Thomas Busch hatte sich vor ca. 30 Jahren mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Um sein Psychologiestudium zu finanzieren, hatte er damals in seinem ersten Beruf als Krankenpfleger in der Dialyse gearbeitet. Während dieser Tätigkeit hat er sich mit dem Virus infiziert.

Zu einer Interferontherapie, die unter Umständen erfolgreich hätte sein können, hatten ihm die behandelnden Ärzte auch in den letzten Jahren nicht geraten. Bei einer Computertomographie vor ca. zwei Jahren wurde dann festgestellt, dass ihn nur eine Lebertransplantation würde retten können. Insgesamt unterzog er sich zwei Transplantationen, die trotz großer
Hoffnungen und seiner außergewöhnlichen psychischen und körperlichen Stärke ohne Erfolg blieben. Obwohl er mit seiner ganzen Kraft und Präsenz um seine Gesundung kämpfte, musste er sich zunehmend mit seinem Sterben auseinander setzen. Dies tat er mit dem gleichen Mut, wie er sein Leben geführt hatte und er lernte schmerzhaft, es schrittweise loszulassen, was ihm in bewundernswerter Weise gelang.

Mit Thomas Busch verliere ich nicht nur einen meiner beiden besten Freunde, sondern auch den Initiator und Mitbegründer des „Instituts für Körperpsychotherapie Berlin“. Wir haben es gemeinsam seit 1994 aufgebaut und regelmäßig Aus- Fort- und Weiterbildungen in Körperpsychotherapie durchgeführt. Er war ein hervorragender theoretisch beschlagener und
warmherziger Dozent, Ausbilder und Psychotherapeut. Das drückte sich auch in wichtigen Aufsätzen und Beiträgen auf Kongressen, Symposien und Tagungen zur theoretischen und praktischen Fundierung der Körperpsychotherapie aus. Besonders hervorheben möchte ich
seinen Aufsatz: “Narzissmus-Selbstentfremdung und leibseelische Wiederbelebung des Selbst“ (in: Thielen, 2002 , S. 27-49). Sein letzter Artikel, der das Thema „Therapeutisches Berühren als reifungsfördernde Intervention“ behandelt, ist im aktuellen „Handbuch der Körperpsychotherapie“ (Marlock, 2006, S. 517 ff.) erschienen.

In unserem gemeinsamen Verständnis von körperorientierter Psychotherapie hat die Verbindung der Arbeit mit der Beziehung und mit dem Körper eine zentrale Bedeutung. In seinem Beitrag zum 1. Landspsychotherapeutentag Berlin arbeitete Thomas Busch die verschiedenen Ebenen der körperpsychotherapeutischen Beziehung als ein Geschehen im Dialog (Humanistische Psychotherapie), in der Übertragung (Psychoanalyse/ Tiefenpsychologie), in der Interaktion (Moderne Entwicklungs- und Säuglingsforschung) und in der leibhaften Resonanz heraus. Der Zugangsweg über den Körper, schrieb er in seinem Beitrag
für den Berliner Kammerrundbrief (I, 2005, S. 34), bietet die Möglichkeit, körperliche Symptome, Verspannungen, Blockaden, Stauungen, Atemmuster u.a. zu lockern bzw. zu lösen und erlaubt eine „vertiefte sinnliche Selbst-, Fremd- und Weltwahrnehmung, so dass sowohl einschränkende als auch reifungsfördernde Muster der Person erleb- und verstehbar
werden können“. Innerhalb der Körperpsychotherapie vertrat Thomas Busch eine integrative Position, die die „rationalen Kerne“ aus der Reichianischen Vegetotherapie, der Bioenergetik (A.Lowen), der Biodynamik (G.Boyesen), der Biosynthese (D. Boadella), der psychoanalytischen Körperpsychotherapie (T.Moser, G.Heisterkamp) u.a. miteinander verbindet.

Diese dialektische Herangehensweise war durch sein Psychologiestudium (1973-1979) bei Prof. Klaus Holzkamp an der Freien Universität geprägt, mit dessen „Kritischer Psychologie“ er sich auch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter (1980-1986) kritisch auseinander setzte. Von 1987-89 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Evangelischen Zentralinstitut für
Familienberatung und entwickelte tiefenpsychologisch fundiere Fortbildungscurricula zum Thema: Beratung bei HIV-Infektion und Aids.. Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit zum Thema Aids schrieb er seine Dissertation zum Thema: Aids-Beratung, Therapie und sozialpsychologische Aspekte einer Krankheit (1992).

Ab 1989 bis zu seinem Tod arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter und Psychotherapeut in der Psychologisch-psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Berlin. Hier wurde er sowohl von seinen Kolleginnen als auch seinen PatientInnen sehr geschätzt. Seine empathische, kreative, integrative und innovative Art und Arbeitsweise traf
auf Zuspruch und Anerkennung.

Er vertrat seine Institution und ihre Arbeit auf vielen Kongressen und Tagungen und trat insbesondere mit einer körperpsychotherapeutischen Auseinandersetzung mit der Prüfungsangstthematik hervor. Seit 1986 bis zu seinem Tod war er auch als niedergelassener Psychotherapeut, mit Kassenzulassung für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,
tätig.

Sein Tod ist nicht nur ein schwerer Verlust für seine Familie – seine Frau Angela Hofmeister und seine beiden Kinder Felix (19 J.) und Sophie (12 J.) – und seine Freunde, sondern auch für die Körperpsychotherapie, für die er sich seit über 20 Jahren sowohl in Theorie als auch Praxis unermüdlich eingesetzt hat. Auch die DGK verliert ein engagiertes und kompetentes
Mitglied und einen Körperpsychotherapeuten, der weit über die Grenzen des eigenen Feldes bekannt und anerkannt war. In den Herzen aller Freunde, vieler Kollegen und Patienten wird er weiterleben.

Manfred Thielen